Leben & Sterben (Neu)

Leben & Sterben

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen

Manfred von Richthofen gehört zu den bekanntesten Fliegern des Ersten Weltkriegs. Doch gerade die Bekanntheit seiner Person hat dazu beigetragen, dass sich historische Überlieferung, Legende und spätere Deutung bis heute vielfach überlagern. Da die deutschsprachige Nachkriegsliteratur zu Richthofen überschaubar geblieben ist, sei hier eine kurze Biographie angebracht über die wichtigsten Stationen seines Lebens und seiner militärischen Laufbahn. Er dient weniger der umfassenden Darstellung als vielmehr der Orientierung für alle, die mit Richthofens Lebensweg weniger vertraut sind.

Leben

Am Montag, den 02. Mai 1892 wurde Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen in Breslau (heute Wrocław, Polen) geboren. Er war das zweite Kind von Major Albrecht Freiherr von Richthofen und seiner Frau Kunigunde (geborene von Schickfus und Neudorff). Er hatte eine ältere Schwester (Elisabeth, geb. 1890) sowie zwei jüngere Brüder, Lothar (geb. 1894) und Karl Bolko (geb. 1903). Auch Lothar wurde nach einer Karriere als Dragoner bei der Kavallerie ein erfolgreicher Jagdflieger und erzielte 40 Luftsiege.

Obwohl man angesichts der adligen Herkunft vielleicht großen Wohlstand und Luxus vermuten könnte, lebte die Familie tatsächlich zurückhaltender. Zwar stammte Kunigunde aus der wohlhabenden Familie von Schickfus und Neudorff, doch Albrecht und Kunigunde bestritten ihren Haushalt im Wesentlichen aus seinem vergleichsweise bescheidenen Offiziersgehalt. Unterstützung aus dem Elternhaus nahm Kunigunde offenbar nur ungern in Anspruch.

Bald zog die Familie nach Schweidnitz, dem heutigen Świdnica/POL. Manfred entstammt übrigens keiner großen Soldatenfamilie. Der Vater war der erste aktive Offizier der Familienlinie. 
In seiner Kindheit liebte er schwimmen, Turnen und andere Sportarten. Seine große Passion war jedoch schon sehr früh die Jagd. 

Mit elf Jahren wurde er in die Kadettenanstalt nach Wahlstatt geschickt. Nicht, weil er es selbst unbedingt wollte; es war der Wunsch seines Vaters. Die Zucht und Ordnung dort gefielen ihm nicht besonders. Für Sport war er durchaus zu begeistern; im Unterricht tat er dagegen nur das Nötigste, um versetzt zu werden.

1909 kam er dann in die Hauptkadettenanstalt nach Groß-Lichterfelde, die zentrale Kadettenanstalt der preußischen Armee, wo es ihm schon besser gefiel. Sport und Wettkampf gehörten für ihn zu den prägenden Erinnerungen an Lichterfelde – vor allem das Reiten, und so entwickelte sich sein Wunsch, Kavallerist zu werden. 
1911 kam er als Fähnrich zum Ulanen-Regiment Kaiser Alexander III. von Russland (Westpreußisches) Nr. I.

Am 19. November 1912 erhielt er das Offizierspatent mit seiner Beförderung zum Leutnant. Er war mit Herz und Seele Kavallerist, so sagte er damals: „Es ist eben doch das schönste für einen jungen Soldaten, »Kavallerist« zu sein.“ Er war nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein talentierter Reiter, wie seine Erfolge bei Reitturnieren zeigen. 1913 gewann er den Kaiserpreis-Ritt – eine militärische Leistungsprüfung über lange Distanzen, schwieriges Gelände und Hindernisse, der Reiter und Pferd einiges abverlangte. Die Fliegerei spielte für ihn zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle – doch mit dem raschen Wandel der Kriegführung sollte sich das bald ändern.

Kriegseinsatz

Bei Kriegsausbruch am 01. August 1914 war Leutnant von Richthofen mit seinem Ulanen-Regiment in Ostrowo stationiert. Am Abend der Kriegserklärung wurde noch vergnügt gefeiert und zumindest sein Regiment hielt Krieg für ausgeschlossen.
Das Regiment hatte den Auftrag, Patrouillen ins russisch besetzte Polen durchzuführen. Richthofen führte dabei eine kleine Patrouille über die Grenze und blieb mehrere Tage im feindlichen Hinterland. Da er laufend Meldereiter zurückschickte, schrumpfte seine kleine Gruppe bald weiter zusammen; nach dem Auftauchen russischer Kosaken in der fünften Nacht verlegte er am nächsten Morgen den Standort. Am siebten Tag kehrte er in seine Garnison zurück – wo sich inzwischen das Gerücht verbreitet hatte, er sei bei Kalisch gefallen; selbst seiner Mutter hatte man bereits kondoliert.
Kurze Zeit darauf wurde seine Einheit an die Westfront versetzt. Diedenhofen, heute Thionville in Lothringen war das Ziel. Der klassische Auftrag: „Das Auge der Armee“, sprich: Aufklärung, und alles, was sie beobachteten an die Armeeführung melden. Hier war er in erste Gefechte verwickelt, auch mit Verlusten in seiner Truppe.
Doch schon sehr bald erstarrte die Westfront, es begann der Grabenkrieg. Von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze zogen sich schlammige Schützengräben, Stacheldrahtverhaue und unzählige Artilleriebatterien und Maschinengewehrnester. 

Es bewegte sich nicht viel, und der Auftrag der Kavallerie wurde nahezu unmöglich! Folglich wurde auch das Ulanen Regiment von Manfred vor Verdun im Stellungskrieg eingesetzt. (Verdun wurde vor allem für seine barbarischen Kämpfe 1916 berühmt, 1915 war dort allerdings noch einigermaßen Ruhe.) 1915 wurde er Ordonnanzoffizier in der 18. Infanteriebrigade. Da ihm diese vergleichsweise passive Tätigkeit weit hinter der Front zunehmend unerträglich wurde, schrieb er einen Brief an seinen kommandierenden General, in dem er um Versetzung zur Fliegertruppe, der „modernen Kavallerie“ bat. Seinem Gesuch wurde stattgegeben, und ab Mai 1915 begann seine Ausbildung zum Flieger. Allerdings zunächst als Beobachter. 

Manfred von Richthofen begann seine Ausbildung als Beobachter Ende Mai 1915 in Köln bei der Flieger Ersatz-Abteilung 7 und anschließend ab Juni 1915 bei der Flieger Ersatz-Abteilung 6 in Großenhain. 
Nach Beendigung der Ausbildung wurde er zur Feldflieger-Abteilung 69 versetzt, wo er am 21. Juni 1915 eintraf. Die gesamte Ausbildung dauerte also gerade einmal knapp einen Monat! 
Auch die Kürze der Ausbildung war ein Grund dafür, Beobachter zu werden. Bei der wesentlich längeren Ausbildung zum Piloten hatte Manfred Sorge, der Krieg könnte zu Ende sein bevor er soweit ist.
Er flog Einsätze in Russland. Ende August 1915 wurde er erneut versetzt, dieses Mal zur Brieftauben-Abteilung Ostende (B. A. O.). Hinter diesem Decknamen verbarg sich das erste deutsche Bombergeschwader, das später zum Kampfgeschwader I unter direktem Kommando der Obersten Heeresleitung (O.H.L.), wurde. 
Schon kurz darauf erlebte er seinen ersten Luftkampf, als er mit seinem Piloten, Leutnant (Lt.) Zeumer auf ein englisches Flugzeug traf. Sehr zu ihrer Enttäuschung blieb dieser Luftkampf erfolglos. Wenig später, bei einem Flug mit Hauptmann Osterroth, konnte er seinen ersten Luftsieg erzielen:  Nachdem er mehr als 100 Schuss mit seinem Maschinengewehr feuerte stürzte ein gegnerischer Farman 2-Sitzer ab. Da der Luftkampf jedoch hinter den feindlichen Linien stattfand wurde er offiziell nicht gewertet.
Um diese Zeit erwarb Manfred von Richthofen von einem „braven Belgier“ einen Hund, seine treue Ulmer Dogge, die er Moritz taufte. Einer seiner Piloten, Lt. Zeumer, kaufte ebenfalls einen, den er Max nannte. 

B. A. O. wurde im Oktober 1915 von West Flandern nach Rethel in Nord-Ost Frankreich verlegt. Auf der Zugfahrt dorthin hatte er eine Begegnung, die seinen weiteren Werdegang stark beeinflusste: Er traf Oberleutnant Oswald Boelcke, der zum damaligen Zeitpunkt 4 Luftsiege aufweisen konnte: In dieser noch sehr jungen Phase der Jagdfliegerei eine sensationelle Leistung. Nach einem langen Gespräch mit diesem charismatischen Flieger stand für Manfred fest: Er will ebenfalls Luftfahrzeugführer werden! 
Der Beobachter damals hatte die inoffizielle Bezeichnung „Franz“, während der Pilot der „Emil“ war. Richthofens Weg zum „Emil“ führte ihn am 08. November 1915 zur Flieger-Ersatz-Abteilung 2 und zur Fliegerschule in Döberitz.
Am 25. Dezember 1915 schloss er mit der 3. Prüfung die Ausbildung ab, nachdem er zuvor durch die Prüfung durchgefallen war!

Ab März 1916 wurde er zum Kagohl (Kampfgeschwader der obersten Heeresleitung) 2, Kasta (Kampfstaffel) 8 an der Westfront versetzt. Manfred flog also zunächst wieder größere Kampfflugzeuge. Sein Interesse an Luftkämpfen wurde dadurch nicht geringer. Er ließ sich ein Maschinengewehr an seinem Flugzeug anbringen, mit dem er nach vorne (über den Propellerkreis) feuern konnte. So konnte er am 26. April 1916 einen weiteren Luftsieg erringen. Doch auch dieser ging hinter den feindlichen Linien zu Boden und wurde somit nicht anerkannt. 
Auch das Kagohl 2 erhielt ein paar Fokker E.III Jagdflugzeuge. Richthofen „teilte“ sich eines davon mit Lt. Hans Reimann. Doch Reimann musste dieses im Niemandsland notlanden und zerstörte es. Ende Juni 1916 erging es Manfred nicht besser, als er ein Ersatzflugzeug bei einer Notlandung nach Motorproblemen ebenfalls restlos zerstörte. 
Wenig später wurde Kagohl 2 an die Ostfront nach Kowel verlegt. Hier waren es hauptsächlich Bomber-Einsätze, die geflogen wurden. Luftkämpfe waren in diesem Abschnitt sehr selten.

Zu diesem Zeitpunkt tobte die Schlacht an der Somme. Das Royal Flying Corps hatte fast uneingeschränkte Lufthoheit, worunter die deutschen Bodentruppen fürchterlich litten. Kein Geringerer als Oswald Boelcke bekam den Auftrag, eine neue Jagdfliegereinheit aufzustellen um die Alliierten Flugzeuge zurückzudrängen. Die ersten Jagdstaffeln (Jasta) wurden aufgestellt. Boelcke bekam für seine Jasta 2 freie Hand in der Auswahl seiner Piloten. Sein Bruder Wilhelm war Staffelführer in Kagohl 2, so kam Boelcke am 12. August 1916 nach Kowel. Auf Empfehlung seines Bruders wurde auch Manfred von Richthofen für die neue Jasta 2 auserwählt. MvR: Fast wäre ich ihm um den Hals gefallen, wie er mich fragte, ob ich mit ihm nach der Somme gehen wollte.

Am 01. September 1916 hatte er sein großes Ziel erreicht, er war Jagdflieger bei seinem Mentor in der Jasta 2!
Bis zu diesem Zeitpunkt in seiner militärischen Laufbahn hatte Manfred von Richthofen neben dem Piloten- und Beobachterabzeichen das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse verliehen bekommen: zwar eine überdurchschnittliche Auszeichnung, aber noch keine herausragende. Das sollte sich bald ändern.
Natürlich wurde nicht jeder der von Boelcke auserwählten Flieger ein Ass wie Richthofen es wurde. Aber er zog sich seine „Schüler“ zu effektiven Piloten. Und Manfred war sein „Meisterschüler“. Diese Einstellung zusammen mit den neuen Albatros D.I und D.II Jagdflugzeugen machte zu diesem Zeitpunkt den Unterschied. Am 17. September 1916 schoss Richthofen den ersten britischen Gegner ab, der auch anerkannt wurde. Die Besatzung der FE.2b kam hierbei ums Leben. Bis zum 25. Oktober hatte er 6 Siege errungen. 

Der 28. Oktober 1916 war ein schwarzer Tag für die Staffel. Der Staffelführer, das Idol der deutschen Luftstreitkräfte, Oswald Boelcke, stieß im Luftkampf mit seinem Kameraden Lt. Erwin Boehme zusammen und kam beim Absturz ums Leben. Richthofen trug beim Trauerzug das Ordenskissen seines großen Vorbildes. Für die Nachfolge als Staffelführer war er aber noch nicht vorgesehen. ObLt. Kirmaier war im Dienstgrad höher und hatte auch mehr Siege vorzuweisen. Kirmaiers‘ Glück war jedoch von kurzer Dauer, er fiel am 22. November 1916. Sein Nachfolger wiederum war ObLt. Walz. Am Tag darauf, am 23. November 1916 gelang es Manfred von Richthofen, Major Lanoe Hawker, das britische Gegenstück zu Boelcke, im Luftkampf zu besiegen, es war sein elfter Luftsieg. Bis Jahresende 1916 waren es fünfzehn Luftsiege. Es fehlte nur noch einer, um den begehrten Orden „Pour le Mérite“ zu bekommen. Diesen sechzehnten Luftsieg errang er am 04. Januar 1917. Am 12. Januar 1917 war es dann soweit: Er war offiziell Träger des „blauen Max“, der vierzehnte Jagdflieger dem diese Ehre zuteilwurde.

Etwa zeitgleich bekam Manfred von Richthofen das Kommando über eine eigene Jasta, wenn auch nicht „seine geliebte Jasta 2“, sondern die bis dato völlig unbekannte und erfolglose Jasta 11.
Die königlich preußische Jasta 11 wurde am 28. September 1916 aufgestellt, am 11. Oktober 1916 war sie in Douai einsatzbereit. Unter ihrem ersten Staffelführer, Oberleutnant Rudolf Emil Lang agierte die Staffel eher glücklos. Bis zum 15. Januar 1917 gelang dem Personal kein Luftsieg. Allerdings gab es auch keine eigenen Verluste. 
…dann übernahm Manfred von Richthofen die Staffel. 

Mit der Ankunft des neuen Staffelführers erhielt die Staffel auch neue Flugzeuge, den verbesserten Albatros D III Jäger, der die alten Albatros D I, II und Halberstadt Doppeldecker ablöste. Ein neues, leistungsfähiges Flugzeug und ein neuer Staffelführer, die Kombination ging sehr schnell auf. Etwa um diese Zeit begann Manfred von Richthofen, sein Flugzeug rot anzumalen. Dies hatte tatsächlich taktische Gründe, denn so war er in der Luft für seine Staffel deutlich erkennbar. Dies war wichtig, um sich nach Luftkämpfen schnell wieder sammeln zu können.
Am 23. Januar 1917 erzielte Manfred von Richthofen den ersten Luftsieg der Staffel, als er eine britische FE 8 bezwang. Und seine neuen Staffelkameraden begannen ebenfalls, Erfolge vorzuweisen. Am 05. Februar erzielte Vizefeldwebel Festner als erster neben dem Staffelführer seinen ersten Luftsieg. 
Richthofen prägte die Staffel von Beginn an maßgeblich. Schon Ende Januar 1917 führte Richthofen die Liste der noch lebenden deutschen Jagdflieger an.
38 Luftsiege errang die Staffel bis Ende März 1917, bei „nur“ einem Verlust. Leutnant Hans Georg Lübbert fiel im Luftkampf am 30. März 1917.

Dann folgte der April 1917, der in das Staffelgeschichtsbuch eingehen sollte. Zu dieser Zeit tobte die Schlacht um Arras, eine Schlacht die wie so viele zuvor „die Entscheidung“ bringen sollte. Im Vorfeld flog das Royal Flying Corps viele Aufklärungs- und Bombereinsätze. Jasta 11 wurde in diesem Frontabschnitt zu einer der entscheidenden Kräfte des Luftkriegs und prägte ihn in den folgenden Wochen wie kaum eine andere deutsche Staffel. 
Für das Royal Flying Corps wurde dieser Monat zur Katastrophe. Die Verluste an Flugzeugen und Besatzungen waren so verheerend, dass der April 1917 als „Bloody April“ in die Geschichte einging 

Allein 89 Abschüsse gingen auf das Konto von Jasta 11. Manfred von Richthofen schaffte 21 bestätigte Luftsiege. Diese beachtliche Zahl wurde jedoch von Lt. Kurt Wolff mit 22 Luftsiegen übertroffen. Lt. Karl Schäfer brachte es auf 15 und Lt. Lothar von Richthofen, der jüngere Bruder, ebenfalls auf 15. Die Staffel selbst kam dabei mit nur einem einzigen Verlust davon: Sebastian Festner fiel am 25. April 1917. 
Wegen seiner bis dahin bereits außergewöhnlichen Erfolgsbilanz wurde Richthofen am 22. März 1917 zum Oberleutnant und bereits am 6. April 1917 zum Rittmeister befördert. Als Kavallerieoffizier führte er weiterhin die entsprechende Rangbezeichnung; der Rittmeister entsprach dem Hauptmann.
 

Der frisch gebackene Rittmeister erzielte am 13. April 1917 einen weiteren Meilenstein, als er seinen 41. Gegner bezwang: er hatte nun mehr Siege als Oswald Boelcke! Am 23. April hatte die Staffel bereits 100 Gegner vom Himmel geholt, innerhalb von gerade einmal drei Monaten. 
Für MvR folgten im Mai Besuche bei der Obersten Heeresleitung (O.H.L.), beim Kaiser, den Fokker Werken und ein Heimaturlaub. 

Eine PR-Tour zu den östlichen Verbündeten, ähnlich die Oswald Boelckes im Sommer zuvor, wurde bereits in Wien abgebrochen, nachdem Richthofen vom Tode seines Freundes, Lt. Schäfer, erfuhr.
Der Kampf wurde auch in der Luft mehr und mehr zur Materialschlacht. Einzelne Luftkämpfe wurden zu Luftschlachten bestehend aus größeren Gefechten ganzer Flugzeugstaffeln. 

Als Reaktion hierauf wurde das Jagdgeschwader I Anfang Juli 1917 aus den Jagdstaffeln 4, 6, 10 und 11 gebildet und unter Richthofens Führung gestellt. Mit der neuen Befehlsstruktur war auch die Verlegung nach Marckebeeke verbunden. Am 5. Juli 1917 mittags trat das neue Befehlsverhältnis in Kraft. Keine drei Jahre nachdem er noch als Kavallerist zu Pferde in den Krieg gezogen war, befehligte Richthofen nun eine der erfolgreichsten deutschen Fliegereinheiten.
 

Am ersten Tag nachdem das Geschwader einsatzbereit war, quasi bei einem der ersten Geschwaderflüge, endete dieser fast im Desaster: Manfred von Richthofen wurde im Luftkampf schwer verwundet. Mit Glück, fliegerischem Können und offenbar letzter Kraft gelang ihm noch eine Notlandung. Es folgte ein knapp dreiwöchiger Aufenthalt im Feldlazarett 76 in Kortrijk. 
Hier ist ein kurzer Exkurs angebracht: In der Literatur findet man häufig die Aussage, er sei nach der Verwundung „nie wieder derselbe“ gewesen. Berichtet wird von wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Schwindelanfällen; manche Autoren gehen noch weiter und nehmen eine strukturelle Hirnschädigung an, die zu impulsivem Verhalten und Kontrollverlust geführt haben soll – bis hin zu der These, dies könne sein Verhalten am 21. April 1918 erklären, als er ein gegnerisches Flugzeug über die eigenen Linien hinaus verfolgte und dabei abgeschossen wurde. In Teilen der Literatur wurden diese Annahmen noch weiter zugespitzt und zu Deutungen ausgebaut, die ein deutlich pathologisierendes Bild zeichnen – bis hin zu der Vorstellung einer über das kriegsbedingte Handeln hinausgehenden, nahezu sadistischen oder psychopathischen Motivation.

Wenn man jedoch seine Gesamttätigkeit in den letzten Lebensmonaten betrachtet, so wird klar, dass Richthofen nicht etwa ein kranker, geschädigter Mann war, sondern zu Hochform lief. Im März und April 1918 errang er seine Luftsiege 64–80, die beiden letzten am Tag vor seinem Tode. Neben seiner Rolle im Luftkampf führte er nicht nur sein Geschwader während der großen deutschen Frühjahrsoffensive, sondern verfasste mit „Erfahrungen im Luftkampf“ auch eine grundlegende Darstellung seiner taktischen Überlegungen. Auch in seiner Führungsrolle zeigt sich ein für die damaligen Verhältnisse bemerkenswertes Bild: Seine Kameraden beschreiben Richthofen auch im Jahr 1918 als zugänglichen Vorgesetzten, der sich mit großer Geduld der Ausbildung seiner Piloten widmete, nach Einsätzen deren Beobachtungen im Detail besprach und für ihre Anliegen stets ein offenes Ohr hatte. Zugleich nahm er an gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit ihnen teil. Ein solcher Gesamteindruck spricht zumindest nicht für eine ausgeprägte und dauerhaft wirksame Beeinträchtigung infolge der Verwundung. Darüber hinaus war er in verschiedene kriegsrelevante Aktivitäten eingebunden, etwa die Teilnahme an den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk, Besuche bei Flugzeugkonstruktionswerken und seine maßgebliche Beteiligung an den Adlershofer Flugzeugprüfungen. Dort trug er entscheidend zur Auswahl des Fokker D.VII bei – eines Flugzeugtyps, dessen Leistungsfähigkeit sich als so überlegen erwies, dass die Alliierten nach Kriegsende ausdrücklich die Auslieferung aller vorhandenen Maschinen verlangten. Zeitungsartikel und andere Augenzeugenberichte zeigen zudem, dass Richthofen – soweit es die militärischen Umstände erlaubten – am gesellschaftlichen Leben teilnahm, etwa bei Besuchen von Cafés, einer Hochzeit, Tanzveranstaltungen oder der Oper.

Doch der Reihe nach…
Bei seinen ersten Einsatzflügen nach der Rückkehr zum Geschwader erzielte er am 16. und 26. August 1917 weitere Luftsiege in der Albatros D.V. Zugleich zeigte sich jedoch, dass er von seiner Verwundung noch nicht vollständig genesen war. Seine frühe Rückkehr an die Front hatte bei der Führung der Luftstreitkräfte ohnehin Sorge ausgelöst; man wollte den inzwischen propagandistisch wie militärisch bedeutsamen Kommandeur keinem unnötigen Risiko aussetzen.
Richthofen wurde daher auferlegt, nur noch dann selbst zu fliegen, wenn dies „unbedingt notwendig“ sei. Als die neuen Fokker F.I-Dreidecker zur Fronterprobung eintrafen, bot dies dem Kommandeur wohl eine „Rechtfertigung“.

Prompt erzielte er weitere Luftsiege am 01. und 03. September 1917. Allerdings wurde er nun aufgrund dieser Missachtung der Anweisung in den Erholungsurlaub befohlen. Diesen verbrachte er zuhause und auf der Jagd. Hier erreichten ihn die Nachrichten, dass mit Kurt Wolff und Werner Voss zwei der herausragenden Piloten des Geschwaders im Luftkampf gefallen waren: Oblt. Kurt Wolff am 15. September 1917, eine Woche später am 23.09.1917 Lt. Werner Voss. Beide flogen die neuen Fokker Dreidecker.

Am 23. Oktober 1917 war er zurück im Geschwader. Die neuen Serien-Flugzeuge mit der Bezeichnung Fokker Dr.I litten noch unter vielen „Kinderkrankheiten“ und mussten vorübergehend am Boden bleiben. Aber auch in den veralteten Pfalz und Albatros Flugzeugen war das Geschwader und sein Kommandeur erfolgreich. Als das Jahr 1917 zu Ende ging, stand seine Bilanz bereits bei 63 Luftsiegen. Damit hatte er schon zu diesem Zeitpunkt mehr erreicht, als irgendein anderer deutscher Jagdflieger des Ersten Weltkriegs insgesamt erreichen sollte. 
Es folgte wiederum eine Phase ohne Einsatzflüge. Von Richthofen besuchte Flugzeugwerke und nahm sogar an den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk als Beobachter teil. Ebenfalls nahm er am ersten, von ihm mit angeregten „Vergleichsfliegen“ in Berlin-Adlershof teil, bei dem erfahrene Frontflieger die vorgestellten neuen Jagdflugzeugmuster begutachteten und erprobten. Dabei flog er verschiedene Maschinen selbst und bewertete ihre Tauglichkeit für den Fronteinsatz. Im Frühjahr war der Kommandeur zurück im Geschwader. Die Probleme mit der Fokker Dr.I waren behoben.
Am 21. März 1918 begann die große Deutsche Frühjahrsoffensive. Diese sollte dank den neu von der ehemaligen Ostfront zugeführten Truppen im Westen die Entscheidung bringen, bevor die amerikanischen Kräfte (die USA haben am 06. April 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt) dort voll einsatzbereit waren. 

Auch während der deutschen Frühjahrsoffensiven 1918 – der sogenannten „Kaiserschlacht“ – blieb Richthofen außerordentlich erfolgreich. 
Binnen weniger als sechs Wochen erzielte er seine Luftsiege 64 – 80, alle in einem roten Fokker Dr.I Dreidecker. Doch auch wenn das Geschwader in dieser Zeit äußerst erfolgreich war und die Kaiserschlacht teilweise spektakuläre Geländegewinne brachte, brachte diese Offensive eben nicht die Entscheidung. In diesen Wochen musste das Geschwader mehrfach verlegt werden oder stand bereits vor der nächsten Verlegung. Für Richthofen selbst und sein Geschwader bedeutete das nicht nur neue Einsatzräume, sondern auch kurzfristige Befehlswechsel, schwierige Transporte und die ständige Aufgabe, Flugzeuge, Piloten und Bodenpersonal wieder einsatzfähig zusammenzuführen.

Die Ereignisse am 21. April 1918 wurden umfangreich in vielen Publikationen dargestellt und analysiert. Sie werden hier deshalb nur grob skizziert. Die Situation war folgende: Das Wetter war zunächst diesig, klarte aber auf, bei frischem Ostwind – für die Deutschen ungünstig, da man dadurch über die Front zum Gegner getragen wurde.
Deutsche Aufklärungsflugzeuge sollten den Frontabschnitt nach gegnerischer Artillerie absuchen. Zwei Batterien waren in der Nähe von Bonnay aktiv, deren genaue Position erkundet werden sollte. Gleichzeitig versuchten alliierte Aufklärer die deutschen Absichten zu erkunden. Das Auftauchen von gegnerischen Aufklärungsflugzeugen war eine ernste Angelegenheit! Das Jagdgeschwader hatte an diesem Tag den Auftrag, diese Aufklärungsflüge zu verhindern und gleichzeitig den Gegner „nach hinten drängen“: im Grunde „Business as usual“ für die Luftstreitkräfte beider Seiten.
Als gegnerische Lufttätigkeit gemeldet wurde, startete Richthofen mit Jasta 11, seiner „Stammstaffel“. Es waren zwei Ketten im Einsatz. Ein erster Luftkampf mit gegnerischen Aufklärern vom Typ RE8 der 3 Squadron Australian Flying Corps blieb ohne Ergebnis. Es gibt Hinweise darauf, dass hier eines der beiden Spandau 08/15 Maschinengewehre des Rittmeisters eine Störung hatte. 
Da griffen über Cerisy, etwa vier Kilometer diesseits der Front, Sopwith Camels der 209. Staffel der Royal Air Force an – drei Flights à fünf Maschinen. 

Richthofens Tod

In dieser Staffel befand sich auch Lt. May, der noch nicht über viel Fronterfahrung verfügte und von seinem Flight Commander Capt. Brown den ausdrücklichen Befehl erhalten hatte, sich aus dem eigentlichen Luftkampf herauszuhalten.
Der nun entstehende Kampf löste sich in mehrere „Dogfights“, also einer gegen einen Luftkämpfe, auf. Entgegen Browns Anweisung griff May dennoch ein und attackierte einen deutschen Dreidecker. Bei dessen Piloten handelte es sich wahrscheinlich um Wolfram von Richthofen, einen jungen Verwandten Manfred von Richthofens, der ebenfalls noch wenig Kampferfahrung hatte. Manfred von Richthofen griff daraufhin in diesen Kampf ein und nahm May unter Beschuss. Erst jetzt versuchte May, im Tiefflug zu den eigenen Linien zu entkommen.

Dies wiederum sah Capt. Brown, der die beiden ebenfalls verfolgte, sehr wahrscheinlich jedoch nicht in optimaler Schußentfernung war, obwohl er mehrmals auf den roten Dreidecker feuerte. Eine dieser Salven wurde lange als „der entscheidende Treffer“ angenommen. Im Laufe der Verfolgung hatte auch das zweite Maschinengewehr von Richthofen eine Störung, er konnte nur Einzelfeuer oder ganz kurze Salven abfeuern. Da der Kampf inzwischen ca. vier km hinter feindlichen Linien war brach er die Verfolgung ab und dreht nach rechts ab. In diesem Moment feuerten unzählige Soldaten vom Boden auf den Rittmeister, der von einer Kugel tödlich verwundet, getroffen wurde. Zwar gelang es ihm noch, seine Maschine zu Boden zu bringen, doch angesichts der Schwere der Verletzung wäre jede Hilfe zu spät gekommen.

Am Folgetag wurde er von seinen Gegnern im Bertangles mit allen militärischen Ehren beerdigt. Einer der niedergelegten Kränze trug auf der Schleife die Inschrift: To Our Gallant and Worthy Foe.

Kontroverse über den Schützen der tödlichen Kugel

Doch wer war es, der die tödliche Kugel abfeuerte? Capt. Brown kommt als Schütze kaum in Frage. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass Richthofen nach dem Treffer sehr wahrscheinlich nur noch höchstens 30 bis 60 Sekunden handlungsfähig gewesen sein kann. Da er nach Browns Angriff jedoch noch weiterflog und May im Tiefflug verfolgte, spricht der zeitliche Ablauf gegen Brown. Auch der bei der späteren britischen Obduktion festgestellte Verlauf der Kugel im Körper passt eher zu einem Treffer vom Boden. Wahrscheinlich wurde die tödliche Kugel daher von einem Bodenschützen abgefeuert.
Als wahrscheinlichster Kandidat ist hier Sergeant Cedric Popkin zu nennen, ein Zimmermann aus Australien, der bei der Australian Imperial Force als Flugabwehr-MG-Schütze diente. Er feuerte mit seiner Waffe aus einem günstigen Winkel und Entfernung“ auf Richthofen, als dieser seine Verfolgung abbrach und nach Osten abdrehen wollte. 
Er erhielt dafür jedoch nie eine offizielle Bestätigung. Zwei Monate später wurde Popkin schwer verwundet, in Folge derer ein Bein amputiert werden musste. Er starb 1968, fast 50 Jahre nach Manfred von Richthofen.
Richthofens Wunsch entsprechend wurde Hauptmann Wilhelm Reinhard mit der Führung des Jagdgeschwader I beauftragt, welches seit dem 20. Mai 1918 auf Weisung des kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte den Namen "Jagdgeschwader Frhr. v. Richthofen Nr. I" führte.
Manfred von Richthofen wurde nach dem Kriege auf die Kriegsgräberstätte Fricourt umgebettet, um dann 1925 nach Berlin auf den Invalidenfriedhof überführt zu werden. 1975 erfolgte eine letzte Umbettung: Aufgrund der Ausweitung des „Todesstreifens“ an der deutsch-deutschen Grenze wurde er nach Wiesbaden überführt. Hier liegt er seitdem neben seinem Bruder Bolko, Schwester Ilse und Mutter Kunigunde.

Am 21. April 1918 endete zwar Manfred von Richthofens Leben, nicht aber seine Wirkungsgeschichte. Kaum ein anderer Jagdflieger des Ersten Weltkriegs wurde nach seinem Tod so stark zur Legende überformt. Vor allem im englischsprachigen Raum lebt der „Red Baron“ bis heute in Büchern, Filmen, Comics, Liedern und populären Erzählungen weiter.

Auch in Deutschland blieb sein Name präsent – seit 1961 als Traditionsname des heutigen Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“.

Dort wird er mit Respekt in Ehren gehalten: nicht nur als Erinnerung an eine historische Persönlichkeit, sondern als Symbol für die Weiterentwicklung fliegerischer Einsatzgrundsätze, militärische Führungsfähigkeit und die Ideale, die den Verband bis heute prägen und als Grundlage des „Richthofen-Spirit“ verstanden werden.


Wer sich weiter mit Manfred von Richthofen beschäftigen möchte, findet in den folgenden Büchern empfehlenswerte weiterführende Lektüre:

  • Bronnenkant, Lance: The Blue Max Airmen, Vol. V: Manfred von Richthofen
  • Miller, James: Inside the Victories of Manfred von Richthofen, Vol. I&II
  • Kilduff, Peter: Red Baron: The Life and Death of an Ace. Oder auch: Richthofen: Beyond the Legend of the Red Baron
  • Bronnenkant, Lance & Schröder, Reinhard: Käte & the Red Baron, Käte Oltersdorf & Manfred von Richthofen – Her „Restless Patient“ (Hiervon wird es demnächst auch eine überarbeitete deutsche Übersetzung geben.)
  • Empfehlenswerte deutschsprachige Bücher sind lediglich die älteren Werke, u.a.:
  • Richthofen, Manfred von: Der Rote Kampfflieger
  • Richthofen, Kunigunde von: Mein Kriegstagebuch
  • Bodenschatz, Karl: Jagd in Flanderns Himmel

In der modernen deutschsprachigen Literatur gibt es aktuell nichts, was MvR in einem objektiven, historisch korrekten Licht zeigt.

Oberstlt. Reinhard „Kanzler“ Schröder, Traditionsoffizier TaktLwG 71 „R“

Grabstätten und Beisetzung

Ehrungen

Der Rote Baron erhielt in seiner Laufzeit zahlreiche Orden und Ehrenzeichen, der angesehenste darunter war der Pour le Mérite. Nach seinem 70. Luftsieg beantragte General Ludendorff für ihn das Eichenlaub zum Pour le Mérite. Das Militärkabinett lehnte eine Verleihung jedoch ab. Man berief sich darauf, dass diese hohe Auszeichnung nur für eine gewonnene Schlacht vergeben werden konnte. Richthofen erhielt stattdessen am 2. April 1918 den Roten Adlerorden III. Klasse mit Krone und mit Schwertern. Die Exklusivität dieser Auszeichnung ist jedoch höher einzustufen als das Eichenlaub zum Pour le Mérite, da der Orden in dieser Kombination bis zum Ende der Monarchie lediglich sechs Mal verliehen wurde.

Inschrift des Denkmals in Schweidnitz:

In diesem Haus wohnte der beste Flieger des Ersten Weltkrieges, der „Rote Baron“ geboren am 2. Mai 1892
gefallen während des Kampfeinsatzes am 21. April 1918 Manfred von Richthofen

 

 

 

Deutsches Reich/Bundesstaaten

Österreich-Ungarn

Bulgarien

Osmanisches Reich

Posthume Ehrungen und Nachwirkung

Göring führte 1935 den „Ehrentag für die deutsche Luftwaffe“ ein, der an Richthofens Todestag bis zum Ende des Nationalsozialismus 1945 begangen wurde. Bereits am 14. März 1935 hatte Hitler einen Erlass herausgegeben, der bestimmte, dass ein Jagdgeschwader mit der Bezeichnung „Jagdgeschwader Richthofen“ aufzustellen sei. Das Jagdgeschwader 2 der Luftwaffe führte vom 1. Mai 1939 bis 7. Mai 1945 den Ehrennamen „Richthofen“.

 

Auch einer der Traditionsverbände der bundesdeutschen Luftwaffe ist seit 1961 nach Manfred von Richthofen benannt: das heutige Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ im ostfriesischen Wittmund, das auch eine Richthofen-Kaserne besitzt. Unter dem Gesichtspunkt der Kontinuität entschied dessen erster Kommodore, Erich Hartmann, seinerzeit, das Abzeichen des Jagdgeschwaders 2 aus dem Zweiten Weltkrieg zu übernehmen, allerdings unter Hinzufügung des NATO-Sterns. Aus Anlass des 100. Todestages Richthofens wurde beim Geschwader im April 2018 ein würdigender Festakt mit Serenade abgehalten.

Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg, im „Fliegerviertel“ in der Nähe des Flughafens Tempelhof, gibt es seit 1936 die nach ihm benannte Manfred-von-Richthofen-Straße. Auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes in Detmold, der bis in die 1990er Jahre noch als Kaserne von den Briten genutzt wurde, gibt es ebenfalls eine Richthofenstraße sowie in weiteren Städten, darunter Augsburg, Bremen, Günzburg, Landau in der Pfalz, Kiel-Holtenau, Külsheim, Norderney und Wangerooge. In Münster befand sich von 1971 bis 2010 das Lufttransportkommando an der Manfred-von-Richthofen-Straße. Ebenfalls ist eine Richthofenstraße in Ingolstadt im sogenannten Fliegerviertel zu finden, in dem alle Straßen nach berühmten Piloten benannt sind. Des Weiteren war das heutige Friedrich-Engels-Gymnasium, in Berlin-Reinickendorf, von 1939 bis 1945 nach Richthofen benannt. Die Richthofensiedlung in Mülheim an der Ruhr ist nach Manfred von Richthofen benannt.

Die Offiziere aller fliegenden Verbände der Luftwaffe spielen jedes Jahr zu seinen Ehren den „Red Barons Cup“ im Fußball aus.

Seit 2019 ist auf dem israelischen Militärflugplatz Tel Nof die sog. Red-Baron-Staffel stationiert, ein gemischter deutsch-israelischer Verband, in dem deutsche Luftwaffensoldaten in der Handhabung der israelischen Heron-TP-Drohnen geschult werden. Es handelt sich um den einzigen nicht rein israelischen Verband innerhalb der israelischen Luftwaffe. Die deutschen Soldaten gehören zum Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“. Die Namensgebung des Kooperationsprogramms zu Ehren Manfred von Richthofens erfolgte durch die israelische Luftwaffe.